Montag, 15. Mai 2017

Irische Symbiose mit einem Hauch Firenze...

Ihr wisst ja, das Essen ist eine grosse Leidenschaft von mir und das Kochen natürlich auch. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als ich eine Einladung zum "Irish Beef Blogger Contest 2017" erhielt. Besonders auch deshalb, weil ich letztes Jahr keine Zeit hatte dabei zu sein. Seit ich meinen neuen Blog www.essenwiezuhause.ch lanciert habe, ist es rund ums Essen auf Signora Pinella etwas ruhig geworden. Umso besser also, dass ich Euch heute mein Rezept für den Blogger Contest vorstellen kann.
Die Essenz des ganzen Menüs ist natürlich das wundervolle Fleisch von Irischen Rindern. Daraus sollten wir ein Rezept zaubern. Wenn es um die Zubereitung von Fleisch geht, mag ich es schnörkellos. Daran sind die Florentiner schuld. Denn ein gutes Stück Fleisch wie ein Bistecca alla Fiorentina braucht nichts ausser Hitze, Salz und maximal noch etwas Pfeffer... Ich habe meine Konfusion rund um das Irische Fleisch dann meiner Mitstreiterin und Freundin Kathrin von www.kuisine.ch geklagt und mich von ihr ermutigen lassen, dass das so schon in Ordnung sei.

Wenn es aber um Beilagen geht, mag ich es kreativer als die Florentiner und erst recht wenn es um Irland geht. Meine erste Begegnung mit der Irischen Küche hatte ich an der Uni im Zusammenhang eines Seminars zum Thema "The Great Famine" - die grosse Hungersnot, die Irland von 1845 bis 1852 heimsuchte. Dabei behandelten wir die Grundlage der Versorgung, politische Fehlentscheide und schlussendlich eben auch die Frage, was es denn überhaupt noch zu Essen gab. Immer wenn ich an Irland denke, denke ich nun halt auch an die Schicksale der Menschen, die wegen dieser schlimmen Kartoffelfäule und der daraus resultierenden Missernten nichts mehr auf ihren Tellern hatten.

So kam mir die Idee mein Fleisch mit einer Pflanze zu krönen, auf die viele Iren in ihrer Not zurück greifen mussten: Die Brennessel.

Nesseln sind wunderbare Gewächse und werden völlig unterschätzt. Sie wirken entgiftend und können sogar verseuchten Boden reinigen. Ich habe nun also mein Irish Beef mit einer Nessel-Wildkräuter-Butter und einem ebenfalls buttrigen, irischen Kartoffelsalat serviert - eine Symbiose der besten Produkte der Irische Küche also...

Hier das Rezept für vier Personen.

Zutaten: 4 Rib Eye Steaks, 1 kg festkochende Kartoffel, 150g weiche Butter, 200g flüssige Butter, 4 Frühlingszwiebeln, Weissweinessig, Meersalz, Pfeffer, 5 grosse Brennesselpflanzen, einen Strauss Wilder Thymian, 1 Knoblauchzehe

Zubereitung: Gutes Fleisch will gepflegt werden. Deshalb werden zuerst die Steaks kurz abgespült und gut trocken getupft. Danach sollten sie die Gelegenheit haben mindestens eine Stunde lang ausserhalb des Kühlschranks Raumtemperatur zu bekommen.

Derweilen die Kräuterbutter vorbereiten. Die Blätter von fünf Nesselpflanzen kurz in kochendem Wasser blanchieren (bitte verwendet zum Sammeln und Auszupfen der Blätter Handschuhe - im Frühling sind die Nesseln besonders fies). Die Blätter maximal eine Minute im Wasser lassen, damit sie nicht ihre grüne Farbe verlieren, danach sofort abgiessen und im Eiswasser abschrecken. Das restliche Wasser sanft aus den Blättern ausdrücken und die Blätter hacken. Ebenfalls die kleinen Blätter vom Thymian abzupfen und zusammen mit den Nesseln, etwas Salz und einer ausgedrückten Knoblauchzehe und der Butter vermischen. Danach sollte die Butter mindestens eine Stunde kalt gestellt werden. Ideal ist es, sie bereits einige Stunden oder sogar einen Tag vor dem Grillieren vorzubereiten.

Für den Kartoffelsalat werden die Kartoffel geschält, in Würfel geschnitten und in Salzwasser weich gekocht. Die Frühlingszwiebeln in kleine Ringe schneiden und die Butter in einer Pfanne auslassen. Die Zwiebeln in die warme Butter geben und etwas fünf Minuten darin ruhen lassen. Das Wasser der Kartoffeln abgiessen, die flüssige Butter mit den Zwiebeln, 4 EL Essig und etwas Salz dazu geben und das Ganze gut verrühren und die Kartoffel sogar etwas zerdrücken - denn der irische Kartoffelsalat sollte eher eine Konsistenz wie Kartoffelstock haben (wird aber normalerweise mit viel Mayonnaise gereicht, das wäre mir aber mit der vielen Butter etwas zu deftig geworden). Besonders lecker schmeckt der Salat, wenn er noch leicht warm ist.

Wenn die Beilagen bereit sind, geht es nur noch um das Fleisch. Dieses kommt auf einen Grill, der idealerweise auf 300 Grad erhitzt und geschlossen werden kann. Denn so kann auf die Vorlieben aller Gäste eingegangen werden. Und eben, beim Grillieren halte ich es wie die Florentiner und lasse die Hitze die Arbeit für mich erledigen. Für Gäste, die ihr Fleisch richtig blutig mögen (wie der Signore - siehe Bilder;) lasse ich das Fleisch insgesamt knapp sechs Minuten auf dem Grill für die anderen gebe ich zwei Minuten dazu und wer es durch haben will wie eine Schuhsohle, den lade ich gar nicht erst ein oder serviere dieser Person eine Bratwurst.

Das Fleisch kommt also bei 300 Grad auf den Grill, wird 90 bis 120 Sekunden bei geschlossenem Deckel gegrillt, gewendet und nochmal so lange gegrillt. Danach wird das Prozedere ein zweites Mal wiederholt. Vor dem Servieren wird das Fleisch dann optional wie das Bistecca aufgeschnitten oder auch am Stück gelassen und mit etwas Fleur de Sel und Pfeffer, der wunderbaren Kräuterbutter und dem Salat serviert.

Ich hoffe, dass Euch meine kulinarische Reise nach Irland gefallen hat. Unter www.irishbeef.de und www.irishfood.ch findet Ihr weitere Informationen rund um das Fleisch aus Irland.

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Sonntag, 14. Mai 2017

In Biel zu Besuch bei Sarah Gold...

Weil es die letzten Tage so still war hier auf dem Blog, will ich Euch ein paar Muttertagsgrüsse schicken und zwar von einem ganz besonderen Ort, den ich kürzlich entdeckt habe. Ich bin beruflich oft in der ganzen Schweiz unterwegs und interessanterweise war ich nun schon dreimal in diesem Jahr für ein Interview in Biel. Dazu kam noch die Pressereise ins Dreiseenland, die mich auch nochmal dahin gebracht hat (darüber habe ich hier berichtet).
Bei jedem meiner Ausflüge nach Biel kam ich in der schönen Bieler Altstadt beim Laden von Sarah Gold Floristik vorbei und leider war er jedes Mal geschlossen - einfach weil ich über Mittag oder am Abend dort war. Am vergangenen Freitag hatte ich nun endlich die Gelegenheit mir das Geschäft anzusehen und mir nicht nur die Nase am Schaufenster platt zu drücken.

Sarah Gold heisst eigentlich Sarah Rufer und ich würde sie nicht "nur" als Floristin, sondern vor allem als Künstlerin bezeichnen. Ihre Arrangements sind jedes für sich kleine Kunstwerke. Wer hier regelmässig mitliest weiss, dass ich Menschen, die schöne Dinge erschaffen sehr bewundere. Unter www.sarahgold.ch findet Ihr alle Infos zum Geschäft und natürlich die Öffnungszeiten.

Biel ist ganz Allgemein eine Reise wert und wird oft etwas unterschätzt. Die Altstadt ist ein Traum und es gibt viele hübsche, kleine Läden und schöne Bars und Restaurants. Dazu kommt die charmante Zweisprachigkeit der Stadt. Dieses Gefühl vom "Savoir Vivre" überkommt mich in Biel jedes Mal aufs Neue.

In der Bieler Altstadt gibt es noch einen zweiten Ort, an den es mich jedes Mal zieht, wenn ich dort bin. Aber davon will ich Euch später noch erzählen... Ich hätte sowieso so viele Geschichten und Bilder für Euch bereit. Aber ich komme schlicht nicht dazu alles aufzuschreiben, weil so viel um den Signore und mich herum passiert. Es wird gearbeitet, geheiratet, Kinder kommen zur Welt und dann geht es immer mal wieder auf Reisen - das pure Leben eben. Aber mir gefällt das! Der Signore kommt übrigens heute endlich von einem Kongress in Japan zurück. Vielleicht ist er so lieb und schreibt einen Blogpost über seine Reise. Ich freue mich jedenfalls riesig, dass er wieder bei mir sein wird. Und es gibt definitiv heute kein Sushi im Hause Pinella (hier habe ich Euch erzählt, dass ich das eigentlich sehr mag). Der Signore wünschte sich Lasagne und ein Glas Chianti. Dann soll er das auch bekommen;)

Ich wünsche Euch einen wundervollen Sonntag und geht Blumen kaufen oder pflücken und überrascht Eure Lieben damit!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

Donnerstag, 4. Mai 2017

Gedankenspiele im "Locale"...

Manchmal habe ich das Bedürfnis etwas abzuschliessen, weil ich dann wieder neue Geschichten erzählen will. Deshalb kommt heute noch der dritte und damit letzte Post zu unserer letzten Florenz-Reise. Ich habe Euch bereits hier und hier davon berichtet und erzählt, wie viel sich in Firenze getan hat. Zuerst hatte ich ein bisschen Zweifel, ob es ok ist, wenn ich heute schon wieder von einer Bar schreibe, nachdem ich im letzten Post bereits eine vorgestellt habe. Aber eigentlich geht es mir heute gar nicht so sehr um die Bar, sondern um die Gedanken, die mir dazu durch den Kopf schwirren. Also stellt Euch einfach vor, wir würden zusammen im wunderschönen "Locale" an der Via delle Seggiole 12 in Florenz sitzen und uns ein bisschen unterhalten...
Das Lokal "Locale" setzt sich aus Restaurant und Bar zusammen und wird von jungen, kreativen Köpfen geführt. Dementsprechend frisch und ansprechend kommen die Getränke und das Essen daher. Und dieser Umstand führt mich zu dem Thema, über das ich heute eigentlich schreiben möchte.

Ich habe mehrmals kurz angesprochen, dass ich vor einem Jahr beruflich eine etwas unpassende Richtung eingeschlagen hatte und dementsprechend unglücklich dabei war. Irgendwie habe ich dann zum Glück die Kurve gekriegt und mich plötzlich und ganz ungeplant an Orten wieder gefunden, an denen ich mich beruflich gut fühle. Gleichzeitig arbeite ich im Moment oft von Zuhause aus und somit wurden die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit fliessen - was auch nicht immer ganz einfach ist. Trotzdem spüre ich, dass ich dabei bin, den Weg zu mir zurück zu finden.

Die einzigen Gedanken, die mich manchmal quälen, wenn ich das kreative Schaffen von anderen Menschen sehe - wie eben im Locale in Florenz - sind die Zweifel an meinem eigenen Tun und meiner eigenen Kreativität. Ich glaube fest, dass eigentlich jede Arbeit eine gewisse Form von Kreativität verlangt. Sogar Berufe, die als völlig unkreativ gelten. 

Aber eben, dann sitzt man an einem Artikel oder einem Blogbeitrag und denkt sich plötzlich, dass man völlig falsch liegt oder alles noch viel besser machen könnte. Wenn ich ehrlich zu mir selber bin, weiss ich, dass genau diese Gedanken den Tod der Kreativität bedeuten. Sobald es zu viel denkt und zuwenig fliesst in meinem Kopf, wird das Schaffen schwerfällig.

Schlussendlich habe ich festgestellt, dass mich einzig der Gedanke "Alles Dinge, die man mit Liebe tut, sind wundervoll" von der Grübelei abhalten kann. Kein Mensch schwebt jeden Tag auf Wolke sieben. Das ist mir durchaus bewusst! Aber die Liebe zu den Dingen, die wir tun, und die Lust am Schaffen, macht unser Tun schlussendlich einmalig und lässt uns Orte und Dinge erschaffen, die auch wieder andere inspirieren und erfreuen. So wie diese Menschen, die in einem alten Palazzo in Florenz eine wunderbare Welt voller Köstlichkeiten kreiert haben.

Und das ist ja dann auch der Zauber, der den Dingen inne liegt, die wir lieben. Niemand liebt und tut sie so wie wir und das macht sie einmalig und unvergleichlich...

Ich hoffe, dass ich Euch mit meiner Gedankenspielerei ermutigen und inspirieren konnte und ich würde mich freuen, wenn Ihr auch Eure Gedanken dazu mit mir teilen würdet!

Herzlichst, Eure Signora Pinella

P.S. unter www.localefirenze.it gibt es alle Infos und die Öffnungszeiten vom "Locale".